Die Ausstellung im Unteren Belvedere zum 300. Geburtstag Maria Theresias ist noch bis 5. November zu sehen. Kurator Dr. Georg Lechner zeichnet für diese prunkvolle Ausstellung verantwortlich. Die Monarchin wird von einigen Mythen befreit, die sich um ihre Person und ihr Kunstverständnis gebildet haben, und neu präsentiert als jemand, der sich entgegen der damaligen Usancen zeitgenössischer Kunst zugewendet hat. Einige Künstler waren im selben Jahr wie sie geboren. Maria Theresia als Auftraggeberin und ihre Beziehung zu Kunst und Künstlern stehen im Mittelpunkt. Sie wußte diese Kunst zum Zwecke der Repräsentation einzusetzen wie man an den Porträts ihrer Person und ihrer Familie ersehen kann.

 

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Franz Anton Palko, Maria Theresia als „König“ von Ungarn, wohl um 1755

 

 

Maria Christina, Tochter
Martin van Meytens d.J., Erzherzogin Maria Christina

 

Weiters zu sehen sind Entwürfe für Deckenfresken ihrer diversen Wohnsitze und allegorische Gemälde sowie Plastiken etc.

 

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Gregorio Guglielmi, Ölskizzen zur Deckenfreskierung in Schloss Schönbrunn
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Jean-Baptiste Pillement, Winterlandschaft mit Eisläufern, 1763 für das Blaue Pastellzimmer im Blauen Hof in Laxenburg

 

Gemeinsam mit ihrem Sohn Joseph II beschloss sie die kaiserlichen Sammlungen von der Stallburg in das Untere Belvedere zu verlegen. Ab 1777 wurde das ehemalige Repräsentationsschloss Prinz Eugens als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zur Erinnerung: Führung für Sehbeeinträchtigte „Anders Sehen“ am 16.10., 16.30h.

 

Besonders hinweisen möchte ich auf das die Ausstellung begleitende „Maria Theresia Online-Spezial #RoyalMaria“. Der Link führt zu Texten und Bildern über die Ausstellung und zu einer „Reise mit 8 Stationen zu den Schlüssel- und Wirkungsstätten Maria Theresias“ (Eigendefinition Belvedere). Sechs durchnummerierte YouTube-Filme habe ich gefunden.

  1. Kapuzinergruft: Doppelsarkophag von Balthasar Ferdinand Moll
  2. Burggarten: Reiterstandbild Franz Stephan von Moll
  3. Maria Theresien Denkmal zwischen KHM und NHM
  4. Akademie der Wissenschaften
  5. Oberes Belvedere: Messerschmidt
  6. Schönbrunn und Laxenburg

Nummer 7 vermute ich im Film „Interview in der Restaurierung“ und 8 ist vielleicht das Kapitel „10 Fakten rund um Maria Theresia“. Eine Art Ratespiel: „Wussten Sie, dass…“ und dann folgt eine kurze Geschichte.  Die Filme gibt es übrigens auch in der Ausstellung zu sehen. Eine sehr gute und gut gemachte Idee. Sie komplettieren das Bild der Kunstmäzenin.

http://magazin.belvedere.at/de/Zu8NBxXy/maria-theresia-und-die-kunst/

„Maria Theresia und die Kunst“, Unteres Belvedere, bis 5. November 2017

http://www.belvedere.at

 

Nun zu einem Kuriosum, zu einer Art „Hintergrundbericht“ über die Haushaltsführung am Habsburgischen Hof:

Über die Organisationsstruktur des Wiener Hofes im 18. Jahrhundert wurde im Rahmen eines vom FWF geförderten Projektes geforscht: „Personal und Organisation des Wiener Hofes 1715-1806“ (Mag. Irene Kubiska-Scharl BA MA und Mag. Michael Pölzl unter der Leitung von a.o.Univ.Prof. Mag. Dr. Martin Scheutz).

Über 2.000 Mitglieder umfasste der kaiserliche Haushalt. Vom Obersthofmeister (Hofverwaltungschef) abwärts über Kämmerer und Stallmeister bis zu den Knechten und Wäscherinnen sind die Berufe (von Abwaschjunge bis Zwergin) erfasst und nun ausgeleuchtet worden. Als Grundlage dienten Hofkalender und Hofparteienprotokolle.

Es stellt sich heraus, dass es von Vorteil war bei Hof zu arbeiten. Man konnte die Karriereleiter nach genau festgelegten Kriterien hochklettern, hatte eine Altersversorgung, die andernorts nicht selbstverständlich war und je nach Position eventuell eine Dienstwohnung in der Stadt.

Nun zu einem Originalzitat aus der Presseinformation des FWF unter dem Titel „Das Uhrwerk Wiener Hof“:

KARRIEREMECHANISMEN

Wer einen Job bei Hof anstrebte, bewarb sich – ganz nach heutigem Stil – schriftlich beim „Büroleiter“ mit Angaben zu Herkunft und Qualifikation. Diese „Bittschriften“ wurden in den Hofparteienprotokollen gesammelt, die auch Daten zu Besoldung, Nachbesetzung oder Pensionierung enthielten und damit das zentrale „Gedächtnis“ der Hoforganisation darstellten. Kriterien für eine Karriere am Hof waren sowohl die Familienangehörigkeit als auch fachliche Kompetenzen. Dass familiäre Netzwerke nicht nur vom Adel, sondern auch von den mittleren und niederen Rängen der höfischen Funktionsträger zum Wohl und Fortkommen der eigenen Familie eingesetzt wurden, legt die Aufarbeitung des Wiener Forscherteams dabei deutlich offen.

RINGEN UM REFORMEN

Erste Reformprozesse leitete Maria Theresia ein, welche nach der Thronbesteigung Josephs II ab 1765 rigoros fortgeführt und verstärkt wurden. Repräsentative Bereiche wie Musik, Theater und Jagd wurden nun zugunsten der Versorgung, Verwaltung und Sicherheit reduziert. „Joseph II war sicherlich kein angenehmer Chef“, sagt Martin Scheutz. „Er versuchte den Hof kleinzusparen, was mit großen Konflikten verbunden war.“ Nach seiner Herrschaft ist der Hof dementsprechend auch wieder gewachsen.

Das FWF-Projekt „Personal und Organisation des Wiener Hofes 1715-1806“ wurde 2016 abgeschlossen. (Wissenschaftlicher Kontakt: a.o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Martin Scheutz, E martin.scheutz@univie.ac.at, W https://www.univie.ac.at/)

Projektwebsite: http://www.univie.ac.at/hofpersonal

Weiterführende Publikationen der Projektteilnehmer:

Irene Kubiska-Scharl, Michael Pölzl: Die Karrieren des Wiener Hofpersonals 1711-1765. Eine Darstellung anhand der Hofkalender und Hofparteienprotokolle, Reihe: Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, Bd. 58, Studienverlag 2013

Irene Kubiska-Scharl, Michael Pölzl: Das Ringen um Reformen. Der Wiener Hof und sein Personal im Wandel 1766-1792, Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, Bd. 60, Wien 2017 (in Vorbereitung)

Quelle: http://scilog.fwf.ac.at

 

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