Werden wir in Zukunft von Robotern gepflegt werden?

Diese Frage wird im MAK am Stubenring anlässlich der „Vienna Biennale 2017. Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft“ gestellt. Der Teil über die Pflege befindet sich zu ebener Erde. Während im 1. Stock auf das Thema Medizin / Prothesen eingegangen wird.

In der Ausstellung werden nicht einfach technische/IT-Errungenschaften der letzten sagen wir 20 Jahre vorgestellt, die bei Krankheit oder Beeinträchtigung von Nutzen sein können, sondern es wird einen Schritt weitergegangen und hinterfragt, ob hier nicht auch die Möglichkeit der Manipulation des Menschen bestehen könnte oder das Ausklinken des Menschen aus der Pflicht des Hospizbeistands. Ist das eine rein quantitative Frage, dh ob genug Personen zur Verfügung stehen werden, um alle Kranken und Alten zu unterstützen oder nicht auch ein Zurückziehen des Menschlichen? (Eine Grafik dazu finden Sie in meinem Artikel über die CeBit 2017 und auch Fotos von Pflegerobotern.) Ich muss nach der Besichtigung ziemlich schockiert und nachdenklich gewirkt haben, denn meine Tante, Großmutter eines Rolli fahrenden Enkels, fragte mich per Messengeranruf (!) ob ich tatsächlich im Museum und nicht etwa bei Dr. Frankenstein im Labor war und zeigte sich sehr begeistert von einer Messe für Behindertenhilfsmittel, die sie vor einiger Zeit gemeinsam mit dem Enkel besucht hatte. Es gäbe so gut wie alles, nur Geld müsse man haben, war ihre Meinung zu dem Thema.

Nein, Roboter sollen nicht die menschliche Pflege und Zuwendung ersetzen. Sie sollen vielmehr helfen. Entlastung bringen. So das Fazit. Doch dies steht und fällt auch mit dem Engagement der Gemeinschaft.

Zurück zur Ausstellung: Neben Pflege- und Alltagshilfen wie ein Lieferroboter werden auch soziale Kontakte im weitesten Sinn angesprochen und dazu gehören auch intime Beziehungen. Verliebt in einen Roboter? Ein Roboter, der einen am Kopf krault? Ein Roboter, der auf dem letzten Weg ins Jenseits dabei ist, weil sonst keiner da ist? Ein empathischer Roboter? Paro (2001, Vitra Museum) ist ein Therapieroboter für „ältere(?) und demenzkranke Menschen“ und wird mittlerweile in 30 Ländern eingesetzt. Sie kennen ihn aus dem Fernsehen. Sieht aus wie eine kleine Robbe aus Plüsch. Er bewegt sich und macht Geräusche. Ein wirklicher Ersatz für den Teddy oder die Puppe mit dem/der die Herrschaften aufgewachsen sind?

Was sagen Sie zu einem Haustierroboter mit auswählbaren Eigenschaften? Das hundeähnliche Vehikel kann nach Wunsch programmiert werden. Haushaltsroboter und Lieferroboter ist klar, hätte ich schon jetzt gern. Aber: Ein Ding, das man drückt und irgendwo spürt ein anderer Mensch diesen Händedruck am Gegenstück? Vielleicht wenn ich am Nordpol, in der Wüste oder im Urwald bin. Apropos „Gegenstück“. Das gibt es auch in sexueller Spielart für „sie“ und „ihn“. Geschlechtsverkehr als Fernverkehr.

Die nächste Station stellt Fragen, die so ähnlich klingen wie: Wie sehr sind menschliche „Teile“ austauschbar? Und: Werden wir zum Roboter, wenn wir Ersatzteile eingebaut bekommen? Geht das unendlich lang oder gibt es ein Ablaufdatum?

Ein Segen ist sicherlich die Präzision eines Roboters im OP-Saal. Und damit bin ich im 1. Stock gelandet…. Ein Segen die selbstausdruckbare 3D-Prothese, nebenbei auch kostengünstig. Hilfreich auch eine Schablone für Sehbehinderte und weitere Erfindungen.

Als Schlussfolgerung sehe ich das: Technik kann Fluch oder Segen sein. Im MAK hat man sich derzeit verschrieben (auch) auf die Schattenseiten, die hinter den technischen Innovationen stecken (können) hinzuweisen. Eine Frage(n)stellung zu dem, was DAS Thema des Jahres zu sein scheint, denn Robotern kommt man heuer nicht aus. Deshalb: hingehen, anschauen, nachdenken.

MAK, Vienna Biennale 2017. Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft, bis 1. Oktober 2017

http://www.mak.at

 

Bemerkung: aus rechtlichen Gründen wird auf die Veröffentlichung von Bildmaterial von der Ausstellung verzichtet.

P.S.: Meine beiden Teddies auf dem Titelfoto haben mit vielen Kindern gespielt. Sie wurden nie technisch gewartet, waren auch noch nie beim Puppendoktor, obwohl sie natürlich krank waren und gepflegt wurden. Die erste Bärenmamma wurde in den 1920er Jahren geboren. Sie sind Mitwisser vieler Geheimnisse und haben Trost gespendet. Dabei können sie sich nicht ferngesteuert bewegen oder brummen. Stumm oder teilnahmslos waren sie deshalb nie.

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