Ausbildung und Aufenthalt im heutigen Italien

Keineswegs versäumen sollten Liebhaber der Malerei des 19. Jahrhunderts die monografische Ausstellung von Joseph Rebell (1787 – 1828). Er wurde an der Akademie der bildenden Künste bei Laurenz Janscha und privat bei Michael Wutky ausgebildet. (Wir kennen Wutkys Gemälde von Vesuv-Ausbrüchen.) Rebell wurde am Kohlmarkt, im Haus des Verlegers Domenico Artaria, als Sohn eines Weißschneiders geboren. Diese Details sind wichtig, denn sie tragen zu seiner steilen Karriere als Maler wesentlich bei. Der junge Mann weiß sich gut zu kleiden und zu benehmen. Der Verleger Artaria wiederum beauftragt ihn gemeinsam mit dem Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais, Ansichten oberitalienischer Seen herzustellen. So zieht Joseph Rebell von 1810 bis 1812 nach Mailand. Danach weilt er in Rom und lässt sich 1813 in Neapel nieder. Die Landschaftsbilder aus dieser Gegend erlangen internationale Berühmtheit. Die „Scuola di Posillipo“ nimmt seine Malweise zum Vorbild. Er malt aber auch andere Sujets: versteckte, malerische Winkel und Menschen bei der Arbeit.

Die Direktion

1824 kehrt der Künstler in seine Heimatstadt Wien zurück und wird von Kaiser Franz I zum Direktor der kaiserlichen Gemäldegalerie im Oberen Belvedere bestellt. Als solcher ist er innovativ, lässt bessere klimatische Bedingungen bewirken, die Räume farblich gestalten, Bilder restaurieren und die Rahmen mit Namen und Lebensdaten versehen. Er kauft moderne Kunst und stellt sie aus, gründet dafür die Abteilung „Moderne Schule“. Seinen Dienst versieht er bis zu seinem frühzeitigen Tod.

Gleichzeitig mit Direktion und Lehrauftrag malt er weiterhin, hat sein Atelier in jenem Nebengebäude, das an den heutigen botanischen Garten grenzt (siehe Foto unten). Für den österreichischen Kaiser malt er u.a. eine Serie von Schloss Persenbeug und Artstetten.

Man sieht einen Plan von Joseph Rebells Dienstwohnung im Nebengebäude des Belvedere und Fotos vom Atelier nebst Beschreibung.
Das Maleratelier von Joseph Rebell

Die Lehre

Joseph Rebell unterrichtet Landschaftsmalerei an der kaiserlichen Akademie, regt seine Schüler an in der Natur zu arbeiten und beeinflusst damit nachfolgende Künstler.

Kuratorin Dr. Sabine Grabner präsentiert Rebell in seiner ersten Einzelausstellung in gewohnt qualitätvoller Manier. Man kann gut nachvollziehen, dass seine Gemälde damals großen Gefallen bei seiner prominenten Klientel fanden. Das südliche Licht sollte man sich nach Hause holen können an einem düsteren Tag! Ich vermute, dass es wichtig ist von Rebell als erstem Direktor zu wissen, denn die kommende Ausstellung (vom 2. Dezember 2022 bis 7. Jänner 2024) hat „Das Belvedere. 300 Jahre Ort der Kunst“ zum Thema!

Das Belvedere besitzt 23 Gemälde von Rebells Hand, 20 davon werden hier ausgestellt. Insgesamt sind 70 Bilder und 40 Zeichnungen zu sehen.

Angebote

Am 7. November, um 16.30 Uhr, gibt es noch ein Kunstvermittlungsprogramm mit Dr. Thomas Schmuck, Weimar, am 9. November, 16.30 Uhr, eine Führung und am 13.11. Kunst & Kulinarik am Vormittag (10.00 Uhr Antipasti, 11.00 Uhr Führung). An Samstagen um 15.00 Uhr gibt es Überblicksführungen.

JOSEPH REBELL. Im Licht des Südens, Orangerie Belvedere, bis 13. November 2022

Informationen: http://www.belvedere.at

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