Diantha oder der Wert der Hausarbeit
Charlotte Perkins Gilman
Roman
mandelbaum verlag, Wien, Berlin 2017
223 Seiten
ISBN: 978385476-547-9


Frauen gehören nicht an den Herd oder zumindest nicht an den eigenen?

Diantha weiß, dass es soziale Klassen gibt und welchen Stellenwert sie jeweils haben, und ist zutiefst empört. Zugleich wird ihr jeden Tag mehr bewusst, dass ihre eigene Arbeit im Haushalt nicht nur als Selbstverständlichkeit gesehen wird sondern noch dazu nur gering geschätzt wird.

Die Auseinandersetzung mit ihrer akribischen Aufrechnung ihrer eigenen Arbeit und die des Gegenwertes, den ihre Eltern für sie aufgewendet haben, ruft einen Sturm der Entrüstung hervor. Diantha lässt sich dennoch nicht beirren in ihrem Wunsch, selbstständig zu sein und eine Arbeit anzunehmen – mit einem Lohn, der ihrer Arbeit entspricht. Und damit ihrem Verlobten aus seinen finanziellen Problemen helfen zu können, die einer Heirat im Weg stehen. Sie macht sich auf den Weg in ihre Selbständigkeit.

Was Hausarbeit tatsächlich an Wert hat, zeigt Diantha ihren neuen DienstgeberInnen, denen sie einen perfekten Vertrag vorlegt – zu ihrer professionellen Arbeit – auf dem sie besteht. Ihr Vorbild zieht viele an, die sie mutig und erfolgreich finden. Der Pfad zwischen Bewunderung und Verurteilung ist schmal, zugleich wird die Rolle der Frau divers in der Öffentlichkeit – und auch im privaten Bereich – diskutiert. Inmitten von Diskussionen um das Für und Wider, in denen sie das Wort ergreift, bekommt sie sogar Unterstützung von mehreren Seiten mit Argumenten: „Hausarbeit ist ein Geschäftszweig, wie jeder andere… und sie muss als Geschäftszweig ausgeführt werden.“ Zugleich erntet sie heftigen Widerstand, würde damit doch das traute Heim zerstört und die bisherige Ordnung untergraben werden.

Nichts und niemand kann Diantha von ihrem Weg abbringen. Anfeindungen steht sie ebenso durch wie die großen Belastungen, ihr eigenes Unternehmen sozial verträglich und dennoch gewinnbringend aufzubauen. Wo und wann und wie wird sie mit den Herausforderungen und den Widersprüchen ihres eigenen Konzepts fertig? Learning by doing ist Dianthas Erfolgskonzept und ihr Mut, zu expandieren, ein prosperierendes Unternehmen aufzubauen, zuerst unterstützt von Frauen, selten auch von Männern, die ebenfalls den wirtschaftlichen Erfolg im Auge haben.

Als Amazone der Wirtschaftlichkeit berühmt, als Verlobte in einem Konflikt mit sich selbst um ihr persönliches Glück…mit der ewig gleichen Frage, ob Gleichberechtigung in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft eine politische Utopie bleibt und letztlich in Kompromissen zum Nachteil der Frauen endet.
Dass es sich dabei um die Um- und Zustände eines anderen Jahrhunderts handelt ändert kaum etwas an den Szenarien, die bis heute das Leben von Frauen einschränken und trotz aller Bemühungen, wenigstens um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, immer noch unerfüllt bleiben.

Das Nachwort von Petra Schaper Rinkel mit dem Titel „Feministisch-utopisches Modell eines idealen Marktes“ gibt viele Impulse und Antworten zu diesem Roman. —

Text: Birgit Meinhard-Schiebel, Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

Transparenz: Das Rezensionsexemplar wurde dankenswerterweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Kein Honorar.

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