Die Großwäscherei
Roman
Andor Endre Gelléri
Nachwort Timea Tankó
Guggolz Verlag Berlin, 2016
221 Seiten
ISBN 978-3-945370-04-9


Der Dampf brodelt und in ihm die Menschen, die in der Großwäscherei ihr Brot verdienen. Jedes gereinigtes Wäschestück braucht Mühe und Aufmerksamkeit, jedes, das als Problemfall auftritt, gefährdet den reibungslosen Ablauf. Herr Taube, einst ein armseliger kleiner jüdischer Junge, jetzt der Wäschereifürst der Großwäscherei Phönix, führt sein Unternehmen mit eiserner Hand. Wie es seinen ArbeiterInnen geht, ist Nebensache, so lange der Betrieb reibungslos läuft. Das Erblühen des Kapitalismus und seiner Folgen sind seine Wonne und sein Vergnügen. Frauen sind nicht nur billige Arbeiterinnen, sie sind auch die Ware, um mit ihnen Reklame zu machen oder sie selbst zu benutzen. Herr Taube gibt den Takt an. Umgeben ist er von jenen, die ihr Glück bei ihm suchen, von jenen, die er erbarmungslos hinauswirft, von jenen, die ihm seine Langeweile vertreiben. Die Schicksale rund um ihn und die Großwäscherei zeigen die bittere Armut, die Abhängigkeiten, die Verzweiflung und die kleinen Freuden, die selten sind.
Niemand von ihnen allen, auch er selbst nicht, kann sich selbst entkommen.
Taubes später Läuterung, dass das Streben nach allem Geld der Welt die Schuld trägt, führt ihn zurück in seine Großwäscherei in der er als menschliches Wäschestück in einer der großen Trommeln seinem Leben ein Ende setzt.
Diese ganz besondere Sprache dieses Buches öffnet Bild um Bild, Szene um Szene und schließt alles wieder wohlgeformt und endgültig. —

Text: Birgit Meinhard-Schiebel, Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

Transparenz: Das Rezensionsexemplar wurde dankenswerterweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Kein Honorar.

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