Zur Zeit wäre im MAK eine Ausstellung über das moderne Möbeldesign, ausgehend von Thonet-Möbeln, zu sehen, doch ist derzeit das Museum wie alle anderen Museen in Wien wegen des Corona-Virus geschlossen. Design à la Thonet ist jedoch immer aktuell. Und demnach ein Artikel darüber ebenfalls…

Bugholzmöbel zu erzeugen wurde von Michael Thonet (1796-1871) erfunden. Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums der Unternehmensgeschichte widmet das MAK THONET und dem MODERNEN MÖBELDESIGN eine Ausstellung.

Michael Thonet war Tischlermeister und kam 1842 von Boppard am Rhein, wo er sich 1819 selbständig gemacht hatte, nach Wien. Von hier aus erfolgte die Entwicklung zum größten Möbelimperium des 19. Jahrhunderts. Der Siegeszug von Thonet beruht auf der Erfindung des Bugholzverfahrens und der ständigen Weiterentwicklung des gleichermaßen praktischen wie schönen Designs. Es wird als modernes Industriedesign bewertet. Möbelteile wurden in industriellen Arbeitsgängen so produziert, dass die Teile innerhalb und auch außerhalb der Monarchie verschickt werden konnten und dann vor Ort endgefertigt wurden und lassen damit Thonet als Urvater von IKEA vermuten.

1859 wurde der legendäre Stuhl Nr. 14 (siehe Titelfoto) erstmals erzeugt, bei uns besser unter Wiener Kaffeehaussessel bekannt. (In Deutschland wird der Begriff Stuhl dafür verwendet, was häufig zu Mißverständnissen führt – bzw. umgekehrt als Sessel jenes Möbelstück, das bei uns Stuhl genannt wird.) Dieses Sitzmöbel ist ein Dauerbrenner, denn er wird im übrigen auch heute noch hergestellt und gehört zu den weltweit meistverkauften Möbeln.

Der Konkurrent Kohn hatte zwar laut Kurator Wolfgang Thillmann das interessantere Design, Thonet war aber der erfolgreichere der beiden. Während Kohn 1909 schließen mußte, überlebte die Firma Thonet.

Inzwischen wird nicht mehr in Wien, sondern bei Gebrüder Thonet Vienna in Turin, bei Thonet in Frankenberg (Deutschland) und in Tschechien, bei TON (seit 1861) produziert.

Fast 240 Exponate, neben allerlei Sesseln, Stühlen und Stockerln, werden auch Tische etc. von Thonet und Kohn präsentiert. Diese Designstücke haben nachfolgende Generationen bis heute geprägt und das wird hier eindrucksvoll an interessanten modernen Exemplaren veranschaulicht. Chronologische Reihenfolge, Vergleich und Konfrontation wurden so herausgearbeitet, dass sich an die 100 Gruppierungen ergeben.

Nun zu meiner persönlichen Thonet-Beziehung und „Detektivarbeit“:

Ein Merkmal der Sessel/Stühle ist, dass sie nicht verleimt sind, sondern verschraubt. In einer Kiste konnten 60 Sessel in Teilen verschickt werden und dann in einer Werkstatt am Zielort zu Ende gearbeitet werden. Ich habe in einem Privathaushalt einen Stuhl umgedreht und die Verschraubung fotografiert.

Thonetsitzmöbel sind verschraubt, nicht verleimt.
Verschraubung eines Thonetlehnstuhls, Stuhl und Foto: privat

Wenn man Glück hat, findet man sogar noch ein gut erhaltenes Etikett:

Etikett der Firma Thonet
Etikett der Firma Thonet, Stuhlunterseite, Lehnstuhl und Foto: privat

BUGHOLZ, VIELSCHICHTIG. Thonet und das moderne Möbeldesign, MAK, bis 6. September 2020

Informationen: http://www.mak.at