Mit „TechnoCare“ ist im Kunstraum Niederösterreich vom Titel her eine Ausstellung konzipiert worden (bis 15.5.2019), die sich mit ihrer Fragestellung mit meinem Blognamen „Pflege und Kunst“ verbindet. In meinem Blog geht es auch um das Thema Pflege(!), das für mich bis vor kurzem Alltag bedeutete. Den zweiten Teil des Namens „…und Kunst“ hatte ich gewählt, weil mir Kunst wichtig ist, weil ich gerne in Ausstellungen gehe, weil ich mich gerne damit auseinandersetze und weil Kunst auch für die Gesellschaft wichtig ist.

In dieser Schau geht es um „care“ – übersetzt wird der Begriff mit Pflege / Fürsorge / Betreuung – und wie diese derzeit in Kunst umgesetzt wird.

War das Thema Pflege bisher ein eher marginales, ist es jetzt dank unermüdlicher Arbeit einiger Menschen dabei endlich dorthin zu gelangen, wo es sein sollte, nämlich mitten in unserer Gesellschaft. Es ist ein aktuelles Thema mit dem man sich auseinanderzusetzen hat, über das man sich informieren sollte. Künstlerische Arbeiten sind oft Auseinandersetzungen mit Brisantem, das unsere Gesellschaft betrifft. Sie legen oft einen Finger in die Wunde, sollen – ja müssen – aufregen und polarisieren, damit man sich mit einer Frage beschäftigt.

Im Katalog wird der Stellenwert, den Pflege in unserer Gesellschaft derzeit hat, angesprochen. Die Objekte (Wiege mit Industriearm und Koje mit Interviews von TelearbeiterInnen) zeigen dies auch. Pflegearbeit ist und wird geringgeschätzt, unterbezahlt, marginalisiert, automatisiert, technisiert. Dem ethischen Aspekt wird der ästhetische gegenübergestellt. Da geht es um Zuwendung, liebevolle Berührungen, und ums Märchen erzählen usw.

Doch geht es bei den Exponaten tatsächlich immer um „Pflege“ so wie sie von pflegenden Angehörigen verstanden wird? Die Antwort lautet: „Nein.“ Es geht hier letztendlich um einen (sehr) erweiterten Begriff von „Fürsorge“ oder „fürsorglich sein mit etwas oder jemandem“. Und es geht ums Sensibilisieren und um die Diskussion auf einem gesellschaftskritischen Niveau – weit weg vom alltäglichen Nahkampf einer Pflegesituation.

Allein besehen erweist sich die Ausstellung z.T. als intellektuell-unnahbar für einen/eine pflegende/n Angehörige/n. Deshalb würde ich auch empfehlen die Ausstellung mit einer Kuratorinnenführung zu betrachten und ein reges Gespräch in Gang zu bringen und eventuell auch noch die reich bestückte Leseecke zu konsultieren.

 

Literatur zu TechnoCare
Die Literatur zur Ausstellung TechnoCare. Es darf gelesen werden. Bequeme Sitzmöbel stehen zur Verfügung. Foto mit freundl. Genehmigung von Katharina Brandl

 

Führungen (sehr zu empfehlen) mit den beiden Kuratorinnen Katharina Brandl bzw. Friederike Zenker am Freitag, 19.4. und Samstag, 11.5.2019. Weiters sind zwei Mädchen-Workshops und Performances geplant.

Brisante Fragestellungen im Kunstraum NÖ, im MAK und im AzW

Der Kunstraum Niederösterreich hat sich für 2019 zur Aufgabe gemacht Fragen zu unserer Zeit zu stellen: „In welcher Zeit leben wir, welchen Veränderungen sind wir unterworfen und was bedeutet es, in einer  algorithmisierten Welt zu leben und zu arbeiten?“

Und ist nicht allein damit. Auch die Vienna Biennale im MAK stellt sich 2019 ähnlichen Fragen (https://wordpress.com/post/pflegeundkunst.wordpress.com/5421). Im Architekturzentrum Wien sorgt man sich um den Planeten in der Krise („Critical Care, Architektur für einen Planeten in der Krise“ vom 25.4. bis 9.9.2019, http://www.azw.at)

 

Informationen: WWW.KUNSTRAUM.NET

TechnoCare, Kunstraum Niederösterreich, bis 15.5.2019

 

Werbeanzeigen