Wie wenig wissen wir tatsächlich, wenn wir glauben Vieles über ein Kunstphänomen zu wissen wie „Wien um 1900“ – mit dem Wiener Jugendstil, den Sezessionisten etc. In diesem Zusammenhang verwenden wir meist Namen von männlichen Künstlern: Gustav Klimt, Koloman Moser, Max Kurzweil…

Doch die Wiener Moderne hatte auch weibliche Protagonistinnen! Das ist leider in Vergessenheit geraten. Für das Belvedere haben sich drei Kuratorinnen vorgenommen die Künstlerinnen der Zeit von 1900 bis 1938 als Thema einer Ausstellung zu wählen. „Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938“ – Es werden hier neben heute (noch) bekannten Namen wie Tina Blau, Marie Enger, Broncia Koller-Pinell, Emilie Mediz-Pelikan, Olga Wisinger-Florian, Erika Giovanna Klien andere samt ihren Bildern dem Vergessen entrissen.

 

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Blick in die Ausstellung: im Vordergrund von Teresa Feodorowna Ries „Eva“ (1909) und „Somnambule“ (1894), Foto mit freundlicher Genehmigung von Belvedere

 

Die Suche nach den Kunstwerken muss sehr spannend gewesen sein. Denn man wurde nicht nur in Museen fündig, sondern auch auf privaten Dachböden und in Kellern.

Geeinigt hat man sich schließlich auf rund 60 Künstlerinnen und 260 Objekte. Diese Frauen hatten es natürlich nicht leicht. Ihre Ausbildung durften sie vor 1920 nicht wie die männlichen Kollegen an der Akademie erfahren und auch nicht Vollmitglieder von namhaften Künstlervereinigungen werden. Also gruppierten sie sich zu eigenen Künstlerinnenvereinigungen, z. B. „Acht Künstlerinnen“ und die „“Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreich“ (VBKÖ).

 

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Bertha Tarnóczy von Sprinzenberg, Gässchen in Malcesine, um 1900/05, 1906 angekauft. Foto mit freundl. Genehmigung von Belvedere. Die in Innsbruck Geborene war Hanisch und Schindler-Schülerin, Mitglied der Acht Künstlerinnen und der VBKÖ, erhielt Ehrendiplome

 

Trotz der ungleichen Startbedingungen kamen wertvolle Beiträge zur Wiener Epoche  auch von Frauen. Und – einige wurden auf Augenhöhe von ihren männlichen Kollegen wahrgenommen. Ein Beispiel für den damaligen Stellenwert der Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries zeigt eine Geschichte nach der Gustav Klimt 1899 bei ihr im Atelier erschien und sie bat an der Secessionsausstellung teilzunehmen. Ihre Skulptur „Hexe“ war 1896 im Künstlerhaus ausgestellt worden und erweckte einen enormen Skandal. Stefan Zweig soll allerdings eine Hymne über die Figur geschrieben haben.

 

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Teresa Feodorowna Ries, Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht, 1895, Wien Museum, Foto mit freundlicher Genehmigung von Belvedere

 

Der Beweis für die Teilnahme wird in der Ausstellung auch gleich mitgeliefert. Man sieht öfter neben dem Kunstwerk auch die Reproduktion einer Aufnahme der originalen Aufhängung bzw. Aufstellung bei der Erstpräsentation in der Secession, beim Hagenbund, im Künstlerhaus, den Galerien Miethke, Pisko und Arnot.

 

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Einblick in die Eröffnungsausstellung der Modernen Galerie 1903, Foto aus dem Archiv des Belvedere, Foto vom Foto mit freundl. Genehmigung von Belvedere

 

Manche Themenbereiche wurden von den weiblichen Künstlerinnen verstärkt behandelt. Speziell für sie ist ein sozialkritischer Blick. Randfiguren der Gesellschaft wurde ein Denkmal gesetzt. Es wurde hinter die Fassade der Großstadt geblickt. Marktleben, Katzenfresser und Zwerg oder Frauen beim Waschen der Wäsche.

 

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Franziska Zach, Beim Wäscheschwemmen, undatiert, Privatsammlung, Foto mit freundl. Genehmigung von Belvedere

 

„Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938“, Unteres Belvedere, bis 19. Mai 2019

 

Informationen: http://www.belvedere.at

Instagram: #CityofWomen

 

 

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