Zum 450. Todesjahr von Pieter Bruegel d. Ä. (1525/30-1569) bietet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien die einmalige Chance gänzlich in seine Welt einzutauchen. Es ist die weltweit erste große monografische Ausstellung zum Werk des bekannten niederländischen Malers des 16. Jahrhunderts.

Die zwölf im KHM befindlichen Tafelbilder, die die weltweit größte Sammlung an Gemälden seiner Hand bilden, werden nun für einige Wochen auf fast 30 aufgestockt. (Insgesamt haben sich nur knapp über 40 erhalten.) Mit den Zeichnungen und Graphiken kommt man insgesamt auf rund 90 Bruegel-Werke.

Die Präsentation legt natürlich großen Wert auf das Ästhetische. Ebenso sehr aber auf weitere Aspekte wie Erzählgabe und Bildwitz, stilistische Entwicklung und die Arbeitsmethoden. Letzter Aspekt ist sehr didaktisch aufgebaut: z.B. wie die Bilder entstanden sind und welches Material verwendet wurde. Neues Hintergrundwissen wird hier weitergegeben.

 

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Demonstration was Bruegel wahrscheinlich für seine Bilder brauchte. Bruegel-Ausstellung, KHM Foto mit freundlicher Genehmigung von KHM

 

Meiner Meinung nach ist die Ausstellung für „jeden“ Interessierten gut geeignet, weil je nach Bildungs- und Interessenstand sich der Ausstellungsbesucher das heraussuchen kann, was ihn/sie anspricht. Auch eine Tastreliefstation wurde erarbeitet. Gedacht ist diese Station für alle Besucher. Insbesondere aber als inklusiver Zugang für Sehbehinderte, die das Werk Bruegels im Raum verstehen möchten. Die Taststation zum Bild „Kampf zwischen Fasching und Fasten“ enthält Brailleschrift, Reliefschrift, farbige taktile Darstellungen und 3D-Reproduktionen von drei Objekten.

Sie ist in drei Hauptteilen gestaltet worden:
1. Bildaufbau des Gemäldes: Linien und Blöcke weisen darauf hin. Das Bild zeigt zwei „Gesellschaften“ – einerseits die der Geistlichen mit der Kirche bzw. das Fasten und andererseits die volkstümliche Welt mit den Häusern und dem Fasching.

2. Inhalt und Figuren im Gemälde: Eine punktierte taktile Linie zeigt die Teilung zwischen den zwei Welten. Zwei Hauptfiguren sind identifizierbar. Die männliche Figur der Faschingzeit links und Frau Faste rechts.

 

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3. Objekte und entsprechende Figuren: die beiden Figuren sind in diesem Teil taktil vergrößert und ebenso Objekte. Neben diesen flachen Tastdarstellungen stehen die folgenden 3D-Objekte im vergrößertem Maßstab: die Spardose und die Münze von der 1. Figur, ein Schuh von der 2. Figur. Originalobjekte aus der Zeit sind in Vitrinen zu sehen.

 

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Fußbekleidung aus der Zeit zwischen 1400 und 1600. Gemalt zu sehen auf den Bildern Bruegels. Foto mit freundlicher Genehmigung von KHM

 

In allen Teilen sind die wichtigsten Reliefelemente auch farbig dargestellt. Der Rest des Bildes weiß und schwarz, um eine schnelle Erkennbarkeit von den Elementen zu erlauben.

 

Link zu Bruegel barrierefrei: https://www.bruegel2018.at/bruegel-barrierefrei/

„Um Bruegels Denkweise noch besser zu erleben, haben wir verschiedene Zugänge entwickelt. Das Angebot richtet sich nicht nur an Menschen mit Behinderungen, sondern an alle BesucherInnen, die mit sämtlichen Sinnen in die Welt Bruegels eintauchen und seine Schilderungen nachempfinden möchten.

Ein besonderes Angebot im Vorfeld richtet sich an Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Ein Video in ÖGS (Österreichischer Gebärdensprache) und IS (International Sign Language) lädt ein, sich bereits vor dem Museumsbesuch über die Ausstellung zu informieren. Auch jene zwölf Werke Bruegels, die zum Kernbestand des Kunsthistorischen Museums gehören, können mit Hilfe von Videos in Gebärdensprache vorab entdeckt werden.

Alle zwölf Werke Pieter Bruegels d. Ä. aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums werden im Audioguide beschrieben. Auch Menschen mit Sehbeeinträchtigung wird damit die Vielschichtigkeit der Darstellung vermittelt. Der Audioguide ist in zehn Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Koreanisch, Japanisch, Chinesisch und Russisch.

Einerseits wird bei den Beschreibungen auf die räumliche Gliederung der Bildkomposition eingegangen, um die Position wichtiger Bauwerke und Figuren möglichst genau anzugeben. Andererseits soll aber auch das emotionale Erleben durch plastische und ausdrucksvolle Wortwahl ermöglicht werden.

Die Taststation ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt heben taktile Linien und Flächen die Grundelemente des Gemäldes hervor. Im zweiten Abschnitt sind die Symmetrieachse, der Brunnen als Zentrum und zwei Figuren aus dem Volk taktil zu spüren. Die Figuren sind mit den Ziffern 1 und 2 markiert. Im dritten Abschnitt werden diese beiden Einzelfiguren und Alltagsgegenstände, die sie tragen, herausgearbeitet. Diese Gegenstände sind im rechten Bereich der Taststation in vergrößertem Maßstab als Tastobjekt ausgeführt.“ Zitat KHM

alle wichtigen Informationen rund um die Bruegel-Ausstellung, den Ausstellungsbesuch (Zeitfenster buchen), den Künstler und das Forschungsprojekt  auf: http://www.bruegel2018.at und www.insidebruegel.net

YouTube – Filme vom KHM: https://www.youtube.com/user/KHMWien

YouTube – Film vom KHM über ARCHES – Barrierefreie Informationsträger zur Vermittlung kulturellen Erbes (= eine Forschungsgruppe)

Instagram: #kunsthistorischesmuseum #bruegel2018  #flemishfriday

Dank an Tactile Studio für diverse Details zum Tastrelief. Infos: http://www.tactilestudio.de

 

BREUGHEL, KHM, bis 13. Jänner 2019