Es sind unzweifelhaft alles edelste Stücke, die in der Ausstellung „300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur“ im MAK zu sehen sind und es sind sehr viele: rund 1.000 Objekte, die meisten aus Porzellan. Aber nicht nur. Auch Zeichnungen, Musterbücher, Farbproben und Modelle kommen hinzu. Sie stammen hauptsächlich aus dem Bestand des MAK sowie aus nationalen und internationalen Sammlungen. Zeittafeln der „zehn Perioden“ entlang den Wänden zeigen die Entwicklung und betten die bewegte Geschichte der zweitältesten europäischen Porzellanmanufaktur von ihrer Gründung im Mai 1718 bis ins 20. Jahrhundert in das politische Geschehen ein.

 

MMS Objektfoto
Musterpokal mit Presentoir, Wien, um 1816, Ausführung: Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, ©MAK/Katrin Wißkirchen

 

Nun zur Präsentation der Objekte: an den Säulen finden sich „begleitende“ Zeichnungen, Graphiken und Aquarelle. Man erhält Einblick in die Räume in denen Porzellan erzeugt bzw. bemalt wurde. Man sieht Vorbilder und Vorlagen für die verschiedenen Dekore mit Wildkatzen oder Blumenmotiven.

Einzelne Objekte sind im Raum „schutzlos“ aufgestellt: um 1780 entstandene Kreuze von Johann Hagenauer aus dem Stift Neukloster in Wiener Neustadt, Bilder auf Porzellan gemalt, Vasen und eine Kaminverkleidung von Eduard van der Nüll.

 

MAK Sammlungsobjekt
Eduard van der Nüll, Kaminverkleidung, Wien, um 1860, Ausführung: Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, ©MAK/Georg Mayer

 

In den Vitrinen Musterbücher, Farbproben, weißes Mustergeschirr, unzählige Porzellanplastiken und wunderbares Geschirr. Die Glaskuben mit Metalleinfassung bilden in ihrer Nüchternheit zum reichdekorierten Porzellan einen Kontrapunkt. Was erstaunt und was wie aus dem Historismus bzw. aus dem „tiefsten“ 20. Jahrhundert wirkt, ist die Art wie die Teller, Tassen, Schalen etc. in den Vitrinen „angerichtet“ sind. Waren nicht gerade im MAK die Porzellane früher enzyklopädisch in unzähligen Vitrinen gelagert? Hier sind sie es wieder – enzyklopädisch und ein wenig antiquiert und sie erinnern an das Sammelsurium in einer Vitrine des Dorotheum vor einer Auktion. Ein Wink mit dem Zaunpfahl? – das Dorotheum ist Sponsor der Ausstellung. Oder es war die überschäumende Begeisterung der Kuratoren über die prächtige Materialfülle und der daraus resultierende Wunsch möglichst Vieles zu zeigen. Alle Exponate sind, wie eingangs betont, wunderschön. Durch die Fülle jedoch kommt die Ästhetik zu kurz. Die Schönheit des einzelnen Gegenstandes geht in der Menge an Schönem unter.  Wie schade!

 

MAK, Porzellanausst.
MAK-Ausstellungsansicht, 2018 300 JAHRE WIENER PORZELLANMANUFAKTUR MAK-Ausstellungshalle, ©MAK/Georg Mayer

 

Manchmal wäre es auch interessant gewesen neben den Details zu den Exponaten und zur Geschichte der Manufaktur etwas über die Funktion zu erfahren. Warum sahen Schokoladetassen so anders aus? Oder gewissermaßen als Fußnote eine Erklärung zur Oliosuppe, wenn schon die Terrine da steht. Zu kurios ist doch die Rezeptur dazu. Manchmal nimmt man aus einer Ausstellung solche Details mit – und merkt sie sich besser als Jahreszahlen.

Interessant ist die Ausstellung auf alle Fälle. Man darf sich nur nicht von der Vielzahl der Gegenstände abschrecken lassen!

 

300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur, MAK, bis 23. September 2018

Details: http://www.MAK.at und sammlung.mak.at

 

 

Advertisements