Pflegende Angehörige sind Einzelkämpfer. Punktuell gibt es zwar Entlastung durch verschiedene Angebote. Doch die Hauptlast ruht auf den Schultern der Angehörigen. Zu 100 Prozent da sein, alles organisieren, immer den Überblick haben, sich selbst zurücknehmen und alles zum Wohle des/der Zu Pflegenden machen. Das ist auf Dauer anstrengend und führt zur Erschöpfung. Vor Monaten wurde ich für eine Radiosendung interviewt und wurde gefragt, ob es mir auch so gehe: Pflegende Angehörige würden nicht wahrgenommen. Ja, leider, bzw. ja leider, zu wenig. Sie sind so etwas wie gute Hausgeister, die immer funktionieren (müssen). Müssen? Es soll doch Hilfe(n) geben! Ja, es gibt sie. Und: Danke dafür! Leistbar, womit in letzter Zeit in einem Medium geworben wird, ist sie nur, wenn man nicht viel davon braucht an Personen, Handgriffen, Materialien usw., denn es kommt was zusammen mit der Zeit und als „Kostenfaktor“ werden die Angehörigen selbst bei der Berechnung des entlastenden Stundensatzes z.B. nicht wahrgenommen. Sie leben anscheinend von der Luft, brauchen auch keine Medikamente, Straßenbahnkarten, einen Wahlarzt oder eine entlastende Schultermassage. Es heißt immer man soll Visionen haben, diese im Geist fixieren und dann … eines Tages … werden sie wahr. Hmmm. Sollte es wirklich so sein, dann skizziere ich den Idealfall!

Hilfsleistungen sollten maßgeschneidert sein, sie sollten flexibler gestaltet (z.B. wenn ein Angehöriger mal kurzfristig weg muss und einen „Ersatz“ braucht) und ausgebaut werden (vielleicht nicht für den Rest des Lebens unbedingt um 17 Uhr Nachtruhe wie im Spital oder einmalig bei Bedarf einen freien Nachmittag) und die Qualität sollte kontrolliert werden und gesichert sein (zertifiziert) und natürlich leistbar sein (siehe letzter Absatz). Dazu gehört auch: bei Bedarf nicht zu große Fluktuation von Personal (tägliche Einschulung ist keine Entlastung und irritiert oft den/die Zu Pflegenden) und Hand in Hand arbeiten. Soweit zur Vision.

Nun zur Realität: Es gibt sie, die gute, zugekaufte Pflege, aber, und das ist auch Realität, leider nicht immer. Und im zweiten Fall  ist – wie mir eine Angehörige vor einiger Zeit mit bitterem Unterton gesagt hat – die zugekaufte Pflege bedauerlicherweise sehr oft zum „Business“ geworden und man fühle sich sogar als Bittsteller und nicht als Partner bzw. als Kunde von Serviceanbietern.

Die IG-Pflege ist die Interessenvertretung für Pflegende Angehörige und setzt sich auch für diese ein. Eine gute Gelegenheit zur Vernetzung und Information bietet die alljährliche Konferenz. Man merkt dort, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist – und das tut gut. Denn andere haben auch ähnliche Probleme. Und man kann sich einbringen, um die Angebote zu verbessern. Vielleicht kommt man eines Tages damit auch ein paar Schritte näher an den skizzierten Idealfall.

Die Konferenz ist offen für Mitglieder und Nichtmitglieder…Anmeldefrist: 10. April 2018

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Einladung IG-Pflege

 

 

 

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