Die Wiener Albertina besitzt etwa 2.500 Aquarelle österreichischer Künstler aus dem 19. Jahrhundert. Was liegt also näher als einige ausgewählte Stücke von Zeit zu Zeit zu zeigen? Bis 13. Mai 2018 kann man nun besichtigen, was die Kuratorin Dr. Maria Luise Sternath unter dem Titel „Das Wiener Aquarell“ zusammengetragen hat.

Vielleicht sollte „Wiener“ noch näher erklärt werden. Es bezieht sich auf Geburtsort bzw. Ausbildungsort der ausgewählten Künstler. Viele von ihnen wurden in Wien geboren, andere zogen hinzu (etwa ein Carl Schütz, Heinrich Friedrich Füger oder Jakob Alt) und bekamen hier ihre Ausbildung. Die Aufträge erhielten sie vom Kaiserhaus, der Hocharistokratie und dem wohlhabenden Bürgertum.

Laut Pressetext soll mit der Ausstellung auch der Beweis angetreten werden, dass das Aquarell nicht eine „zutiefst englische Kunstform“ sei, sondern dass zur gleichen Zeit wie in England auch in Wien Werke entstanden, die der englischen in Qualität und Ausstrahlung Paroli bieten konnten. Leider fehlen englische Vergleichswerke. Dieses Thema hätte man lieber gar nicht erwähnen sollen, höchstens in einer gesonderten Publikation.

Die ausgestellten Aquarelle sind an sich sehr ansprechend und „typisch österreichisch“ und die ganze Präsentation gibt einen guten Überblick. Einige Male wirkt die Ausstellung wie eine Synthese vergangener (z.B. über die Kammermaler Erzherzog Johanns oder die Fendi-Ausstellung), doch mindert dies die Freude am Betrachten keinesfalls, im Gegenteil, man begegnet „alten Freunden“ gerne wieder und freut sich über die qualitativ hochwertigen Arbeiten. Es gibt aber auch einiges zu entdecken.

Für Touristen wiederum bietet sich hier eine sehr gute Einführung in die Materie.

 

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Rudolf von Alt, Straße in Palermo, 1867 Aquarell, Privatbesitz, Wien / Courtesy Kunsthandel Giese & Schweiger, Wien Foto: Albertina

 

Rund 180 Werke, unter ihnen einige sehr bekannte und beliebte Blätter der heimischen Aquarellmalerei, finden sich hier unter Kapiteln versammelt wie „Das Wiener Porträt“, „Das Wiener Genre“, „Im Sonnenlicht“, „Das Aquarell als Gemälde“. Andere Kapitel wiederum sind einzelnen Künstlern gewidmet: Moritz Michael Daffinger und der Blumenmalerei,

 

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Moritz Michael Daffinger, Europäischer Frauenschuh und Französische Rose, Bleistift, Aquarell, Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien. (Mit freundlicher Genehmigung von Albertina Wien)

 

Heinrich Friedrich Füger, Thomas Ender, Rudolf von Alt, August von Pettenkofen und abschließend Anton Romako.

 

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Anton Romako, Tiger, 1870, Bleistift, Aquarell, Deckfarben, Albertina, Wien Foto: Albertina

 

„Das Wiener Aquarell“, Albertina Wien, bis 13. Mai http://www.albertina.at

 

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