Wir schreiben den 13. Mai 1817: Erzherzogin Maria Leopoldina Josepha Caroline, Tochter von Kaiser Franz I, heiratet in der Wiener Augustinerkirche per procurationem Dom Pedro, den späteren Kaiser von Brasilien. Die Braut trifft am 5. November in Rio de Janeiro ein und zieht feierlich mit ihrem Ehemann in die Stadt ein.

Für Franz I ist diese Verehelichung Anlass für eine Begleitexpedition namhafter Wissenschafter nach Brasilien (1817/18). Mit dabei ein junger, an der Akademie ausgebildeter, Landschaftsmaler aus einfachen Verhältnissen: Thomas Ender (1793-1875).

Diese Reise sollte für den jungen Mann Beginn einer großen Karriere bedeuten. Er durfte später Kaiser Franz I und Fürst Clemens Metternich nach Italien begleiten (1819) und erhielt von Erzherzog Johann den Auftrag österreichische Alpenlandschaften (1829-1853) zu malen. Von 1837-1851 war er Professor an der Wiener Akademie. Bei Sammlern erfreuen sich Werke des Künstlers auch heute großer Beliebtheit.

Heute wäre er wohl kaum bei einer Reise dabei. Er wäre durch Profiausrüstung aus dem fotografischen und Videobereich ersetzt worden und die Wissenschafter würden vermutlich selbst fotografieren. Vielleicht würden sie auch auf den neuen Sozialen Medien posten. Google+, Instagram, Youtube etc.

Thomas Ender hatte jedoch Zeichenmaterial und Aquarellfarben dabei. Ausbeute seiner mehrmonatigen Reise auf dem Meer und ins Hinterland von Rio de Janeiro inklusive einem „Trip“ nach Sao Paulo sind über 1000 Zeichnungen. Die meisten davon, nämlich 782, sind im Besitz des Kupferstichkabinetts der bildenden Künste Wien.

Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums wurden unweit der Augustinerkirche, im ehemaligen Palais Lobwkowitz, wo jetzt das Theatermuseum untergebracht ist, 28 Blätter zur kleinen Ausstellung „Thomas Ender – Von Triest nach Rio de Janeiro“ zusammengefügt. Man kann hier in eine Zeit abtauchen, in der das Reisen tatsächlich ein Abenteuer war und Städte, die so wie Triest heute vom Verkehrschaos beherrscht werden, nahezu idyllische große Dörfer waren.

 

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Thomas Ender, Triest von Bord der k.k. Fregatte Austria, 1817, Kupferstichkabinett

 

Ein Blick in den Bauch des Schiffes zeigt uns, dass damals nicht Tiefkühlkost auf dem Speiseplan stand, sondern Kühe und Ziegen mitgeführt wurden.

Bosch tritt auf

Noch einige Sätze dazu warum derzeit im Theatermuseum diese Ausstellung neben einer Auswahl von Spitzenwerken aus der Gemäldegalerie, allen voran Bosch’s Weltgerichts-Triptychon, zu finden sind. Die Akademie am Schillerplatz wird saniert und einige Bilder der Sammlung wurden nach Deutschland verliehen, andere wiederum hängen derzeit hier. Man hatte nach einer Möglichkeit gesucht kurzfristig – für ca. drei Jahre – eine adäquate Unterbringungsmöglichkeit zu finden. Und hat im KHM-Verbund einen Verhandlungspartner, zu dem das Theatermuseum gehört, gefunden. Eine schöne zwischenzeitliche Lösung. Die Bilder – ganz besonders der Altar des Hieronymus Bosch im halbrunden Raum – treten in dieser Umgebung in einen neuen Dialog!

 

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Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum, Einblick in Raum 1

 

Es wäre jedoch nicht das Theatermuseum, gäbe es kein „Rahmenprogramm“ aus dem Schauspielfach. Von 22. November 2017 bis Februar 2018 wird das maßgeschneiderte Stück „Bosch on stage“ vom Salon5 aufgeführt.

Thomas Ender – Von Triest nach Rio de Janeiro“ bis 18.2.2018

Bosch tritt auf – Gemäldegalerie der Akademie zu Gast im Theatermuseum“ für ca. 3 Jahre geplant

http://www.theatermuseum.at

http://www.akademiegalerie.at

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