1. Rubens im KHM

Wien hat immer viel zu bieten. Der Fokus diesmal – zumindest von meiner Seite – auf die Albertina und das KHM. Ein wenig komme ich mir wie Paris vor, der sich zwischen drei Schönheiten zu entscheiden hatte. Ich neige in meiner Begeisterung dazu die Letztgesehene als knappe Favoritin zu erwählen. Bin mir aber nach einigem Nachdenken doch nicht so sicher. War ich nicht nach den beiden anderen Ausstellungen genauso begeistert wie heute?

Der Eindruck ist noch frisch vom Gesehenen und so möchte ich die chronologische Reihenfolge verlassen und mit der Ausstellung im KHM anfangen: „Rubens – Kraft der Verwandlung“. Die beiden Ausstellungen in der Albertina werden noch besprochen werden.

Peter Paul Rubens (1577-1640) braucht man nicht lange vorzustellen. Ein begehrter flämischer Hofmaler mit Starstatus, Werkstattleiter, Lehrer, Diplomat, Intellektueller könnte man zusammenfassen.

An 15 bis 20 Bildern wurde in seiner Werkstatt gleichzeitig gemalt. Er beschäftigte Spezialisten z.B. für die Tierdarstellungen oder Landschaften. Briefe belegen was von ihm „eigenhändig“ zu schaffen war. Natürlich schlug sich das im Preis nieder. Etwa 3.000 Leinwände werden ihm und seiner Werkstatt zugeschrieben, dazu kommen die entsprechenden Vorstudien und Kopien.

Beliebt waren seine Bilder zu Lebzeiten, beliebt sind sie noch heute. In Wien ist man in der erfreulichen Lage rund 40 Gemälde zu besitzen. Von anfänglich an die 400 Objekte, die in die engere Wahl für die Ausstellung kamen, hat man sich auf ca. 120 geeinigt. 1/3 aller Objekte aus dem KHM selbst, inklusive Antikensammlung, Kunstkammer, Hofjagd- und Rüstkammer. Dazu Leihgaben aus Madrid, Florenz, Dresden, England, den USA usw.  usw. usw.

Zum Konzept: Es wurde mit „Raumregenten“ gearbeitet, um die sich die Exponate scharen und zum Vergleich einladen. Allein vom „Urteil des Paris“ gibt es hier vier Rubens-Varianten zu denen sich noch zwei fremder Hand gesellen. Das oben gezeigte Urteil wurde für König Philipp IV geschaffen.

 

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Foto: KHM-Museumsverband, Ausstellungsansicht Rubens 2017

 

Im Mittelpunkt steht nun die Arbeitsweise des Flamen; wie er mit einem Vorbild umgegangen ist – wir sehen Werke von Tizian, Tintoretto, Caravaggio, Beham, antike Statuen und Renaissanceplastiken  -, wie er es verarbeitet (durch Kopien, Figurenstudien z.B.), wie er es transformiert und wie er es schließlich in seine neue Komposition einordnet hat (etwa spiegelverkehrt).

Von den Kuratoren, Dr. Gerlinde Gruber und Dr. Stefan Weppelmann,  wurde programmatisch sein spätes Wiener Selbstporträt, das er mit ca. 61 Jahren gemalt hat, an den Anfang gestellt. Es zeigt einen Mann mit den Attributen des höfischen Porträts, nämlich Handschuh, Degen und Säule, müde und vom Leben gezeichnet, doch voller Würde.

 

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Foto: KHM-Museumsverband. P.P.Rubens, Selbstporträt um 1638, Öl auf Lw, KHM Gemäldegalerie

 

Zum Schluss die „Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis“ als Blick in die Seele des Künstlers, aber auch als Ausblick auf jene Künstler, die sich zu späteren Zeiten von ihm inspirieren ließen so wie er sich an seinen Kollegen inspiriert hatte. Rubens gilt laut Weppelmann über De Chirico (Hauptvertreter der Pittura metafisica) als Wegbereiter des Surrealismus.

 

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Foto: KHM-Museumsverband, P.P.Rubens, Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis 1620/25-1636, Öl auf Eichenholz, KHM Gemäldegalerie

 

„Rubens – Kraft der Verwandlung“, bis 21. Jänner 2018

Sehr empfehlenswert ist der Kurzführer.

Links: Videos zur Ausstellung, zu Vorträgen und Gesprächsreihen https://www.youtube.com/user/KHMWien

Instagram und Facebook: #kunsthistorischesmuseum #rubens2017

Symposium am 19. Jänner 2018, Details: http://www.khm.at/rubens2017

 

 

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