Vielleicht sind sie einander im wirklichen Leben begegnet – zwei siegreiche Heerführer gegen die Osmanen. Der eine, ein Pole, am Zenith seiner Karriere, der andere, ein Franzose, auf der Suche danach. Sicher ist die Begegnung jedoch posthum – und zwar jetzt, hier im Winterpalais des Jüngeren.

Der Jüngere ist Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736), ehemaliger Hausherr des Palais in der Himmelpfortgasse, und der Ältere ist der polnische König Jan III Sobieski (1629-1696). Unter Sobieskis Führung wurden die osmanischen Truppen am 12. September 1683 am Kahlenberg vernichtend geschlagen. Prinz Eugen erhielt gerade in dieser Schlacht als unbezahlter Freiwilliger im kaiserlichen Heer von Karl von Lothringen seine Feuertaufe.

Eine Kooperation des Wiener Belvedere mit vier polnischen Residenzen (dem Museum Schloss Wilanów, dem Königsschloss und dem Königlichen Lazienki Museum in Warschau und dem Königsschloss auf dem Wawel in Krakau) haben dies ermöglicht. Der Entsatz von Wien durch das polnische Heer brachte Sobieski auch außerirdischen Ruhm ein. Ein Sternbild zwischen der Schlange, dem Schützen und dem Adler gelegen, wurde noch im selben Jahr vom Danziger Astronomen Johannes Hevelius nach ihm, seinem Gönner, benannt. Der Schild des Sobieski – Scutum Sobescianum – umfasst ca. 300.000 Sterne. Hevelius und der Schild stehen hier stellvertretend für das Mäzenatentum des polnischen Königs auf wissenschaftlichem Gebiet.

Präsentiert wird der gewählte polnische König in der Ausstellung umfassend: außer als Mäzen von Wissenschaft und Kunst auch als Privatperson, Staatsmann und Feldherr. Der erste Raum ist wie eine Ouvertüre gestaltet. Alle Kapitel erklingen hier. Canalettos Vedute des Wilanów-Palastes wurde zu späterer Zeit von König Stanislaw August in Auftrag gegeben und zeigt die von Vincenzo Agostino Locci erbaute Lieblingsresidenz Sobieskis. Für die Ausstattung waren zwei Maler tätig, Jerzy Eleuter Szymonowicz-Siemiginowski und Jan Reisner, die mit Stipendien für die Accademia di San Luca bedacht wurden. Dem Canaletto-Bild gegenüber ein Porträt Sobieskis zu Pferd als Sieger der Schlacht am Kahlenberg und davor ein Husaren-Halbharnisch. Weiters ein Familienporträt mit seinen vier Kindern.

Im ersten Saal seine „Wurzeln“ und sein „Werdegang“ – überraschend so persönliche Dinge wie seine Taufmütze und sein Windelgürtel unter dem Bild seiner Mutter zu finden…

 

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Windelgürtel und Taufmütze von Jan Sobieski, Polen, 1624

 

Die Briefe an Jans Frau Marie Casimire zeugen von seiner Zuneigung zur ehemaligen Hofdame am polnischen Hof und wurden für diese Ausstellung übersetzt. Die Kinder wuchsen im engen Kontakt mit den Eltern auf – für damalige Zeiten eher unüblich. Ein Herr hinter mir fragte sich bei der Eröffnung wie viele Liebesbriefe auf sein Konto gingen, er kam auf die Zahl Null. Was wird vom 21. Jahrhundert bleiben? Facebook-Kurznachrichten? Sms? E-mails? Ist nicht so ein Brief einfach schöner und langlebiger?

 

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Anonymer Maler, Porträt von Marie Casimire d’Arquien, drittes Viertel des 17. Jhdts.

 

Der Schlacht bei Wien vom 12. September 1683 ist ein eigener Raum gewidmet. Martino Altomontes Bild stellt den Kriegsschauplatz dar. Altomonte befand sich in Sobieskis Diensten, kam dann zu Prinz Eugen von Savoyen nach Wien, um im Unteren Belvedere zu arbeiten.

Das Offensiv- und Defensivbündnis zwischen Kaiser Leopold I und dem Polenkönig aus dem österreichischen Staatsarchiv liegt im Original vor. Es wurde erstmals übersetzt.

 

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Bündnis zwischen Leopold I und Jan III Sobieski, Österreichisches Staatsarchiv

 

 

Unter der reichen Beute befanden sich u.a. diverse Prunkzelte, Kanonen, Waffen, Hausrat, Esswaren, Tiere. Reiche Stoffe wurden z.B. an Klöster zur kirchlichen „Weiterverwendung“ weitergereicht.

 

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osmanischer Samtbrokat zu christlichem Überwurf verarbeitet

 

Das ist übrigens die – vorläufig? – letzte Ausstellung im Winterpalais. Der Vertrag zwischen Belvedere und Finanzamt läuft im November ab und ob das Palais von Prinz Eugen gemeinsam mit der Sommerresidenz Belvedere weiterhin bespielt wird, liegt derzeit wahrscheinlich noch in den Sternen. Im Scutum Sobescianum? Hilft Sobieski?

Die Datenbank zur Person und Zeit http://www.wilanow-palac.pl ist dreisprachig.

Jan III. Sobieski, Ein polnischer König in Wien, Winterpalais bis 1. November 2017

http://www.belvedere.at

 

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