Kann man noch einen neuen Aspekt über Klimts Kunst herausarbeiten? „Man“ oder vielmehr Tobias Natter kann es. Und was macht er? Mit dem Wienerischen kokettierend könnte man sagen „a g’scheite Ausstellung“. Sie ist aber nicht nur im engen Sinne gut, also intelligent aufbereitet und gut im Sinne von ästhetisch ansprechend. Sie ist auch gut, weil darüber hinaus interdisziplinär gedacht. Wissenschaftlich die Disziplinen Archäologie und Kunst bzw. Kunstgeschichte miteinander verschränkend. Ingredienzen dazu: Klimt, Antike, Architektur. Wir finden eine architektonische Vierteilung des White Cube vor: Ringstraßenzeit, Sezession, Hetärengespräche und dann noch Fotos und Skizzen in einem „Kabinett“. Von der These ausgehend, dass Klimt sich zunächst mit der künstlerisch hochwertigen griechischen Vasenmalerei aus dem 5. Jahrhundert  motivisch direkt auseinandergesetzt hat, beginnt die Ausstellung mit der Ringstraßenzeit und den Auftragsarbeiten an Burgtheater und Kunsthistorischem Museum.

 

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Ringstraßenzeit: Vergleich mit Figuren aus der Glyptothek

Der erste Raum wird mit einem Abbild der Hallendekoration des KHM abgeschlossen. Nicht nur architektonisches Detail, sondern auch eine Einladung an die Besucher das KHM mit einer Kombinate zu besuchen. Im 2. Raum nun der Beleg dafür, dass in einer späteren Phase der „Geist der Antike“ von Klimt frei evoziert wurde. Vor einer Kopie des Beethovenfrieses aus der Sezession eine Vase mit einer schwebenden Figur.

 

attische Vasen vor den schwebenden Figuren Klimts
2. Raum: Ver Sacrum – links schwebende Figur auf attischer Vase vor einer Kopie des Beethovenfrieses (1901/02) aus der Sezession

 

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Attische Vase vor Sezessions-Plakat

 

Im 3. Raum die Illustrationen Klimts zu den „Hetärengesprächen“ des Lukian – ein Werk von 15 Gesprächen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus  über alltägliche Sorgen und Nöte. Handelnde Personen sind Hetären, deren Sklavinnen, weibliche Verwandte, Nachbarinnen etc. und die Liebhaber der Hetären. Der Leser erhält Einblick in das Leben der Zeit und erfährt z.B. welche Handelswaren damals „in“ waren. Die Neuauflage kam 1907 als eines der schönsten Jugendstilbücher heraus und liegt hier in 13 Luxuseditionen vor; inklusive Klimts Skizzen und Keramik zum Vergleich in den Vitrinen.

„Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen.“ Orangerie im Unteren Belvedere, bis 8. Oktober 2017, auch Kombiticket mit KHM möglich

http://www.belvedere.at

 

 

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