Aus der Reihe „Meisterwerke im Fokus“ im Belvedere steht diesmal die Malerei von  Tina Blau (Regina Leopoldine Blau 15.11.1845-31.10.1916) im Mittelpunkt, und zwar noch bis 9. April 2017. Bekannt ist sie uns als sehr erfolgreiche Landschaftsmalerin. Berühmt ein Foto, wo sie mit ihrem Malwagerl – ein selbst umgebauter Kinderwagen mit ihren Malutensilien, nebst Sonnenschirm und eingebauter Staffelei – abgebildet ist. Ein ziemlich verwegenes Unterfangen für eine Frau damals, allein, in der Natur und auch noch professionell zu malen. Und: sie war damit international erfolgreich und wurde hochdekoriert. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass sie Freundschaften mit führenden Frauenrechtlerinnen wie Rosa Mayreder, Auguste Sickert und Marianne Hainisch pflegte.

Der Vater unterstützte von Anfang an sehr ihr bildnerisches Talent. Unterricht erhielt sie zunächst von einem Schüler Waldmüllers, Antal Hanély und später von August Schaeffer und in Joseph Aigners privater Malschule.
Die Ateliers in der Mayerhofgasse und im Prater teilte sie sich mit ihrem Kollegen Emil Jakob Schindler, unternahm 1875 mit ihm sogar eine Reise nach Holland, wo sie die Werke von Rembrandt, Frans Hals und der Haager Schule studierte. Andere Reisen unternahm sie allein. Zwei Italienreisen 1876 und 1879 führten zur Aufhellung ihrer Farbpalette.
Interessant ist sie auch als Mitbegründerin und Lehrerin von und an künstlerischen Ausbildungsstätten für Frauen und Mädchen in München und Wien, denen der Zutritt zur Akademie verwehrt war.

Das großformatige Hauptwerk „Frühling im Prater“ (1882) machte sie europaweit zum Star. Dieses Bild ist neben weiteren 48 aus allen Schaffensperioden in der Ausstellung zu sehen. Wir sehen Impressionen ihrer Reisetätigkeit aus Venedig, Rom, Paris, Holland, Siebenbürgen.

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Blick über Wien von den Räumen der Tina Blau Ausstellung aus gesehen. 15.12.2016

Belvedere: Tina Blau und über die barocke Gartenanlage

Ich möchte jedoch das Augenmerk auf ein kleineres Werk lenken. Denn besonders reizvoll ist der Vergleich des Bildes „Aus dem Belvedere“ von 1894/95 von der Broderieparterreanlage über die „Haupt-Cascade“ Richtung Norden zu Leopolds- und Kahlenberg mit dem aktuellen Blick aus dem Fenster vom Oberen Belvedere unmittelbar neben dem Bild.

Vergleicht man nun Bild und „Wirklichkeit“ ergibt sich ein ziemlicher Unterschied in der Begrünung des Gartens.

Ich habe die Expertin für historische Gärten, Dr. Eva Berger, a.o. Universitätsprofessorin an der TU Wien, Fachbereich Landschaftsplanung und Gartenkunst, gebeten zu den beiden „Zuständen“ des Belvedere-Gartens (den auf dem Bild Tina Blaus und auf dem Foto vom Dezember 2016) Stellung zu nehmen. Nachfolgend der Auszug aus Ihrem Mail: „/…/ das Foto zeigt den rekonstruierten derzeitigen Zustand des Broderieparterres im Garten zwischen dem Oberen und dem Unteren Schloß des Prinzen Eugen, Vorlage für diese 2007 bis 2008 erfolgte Rekonstruktion ist der sogenannte „Edel-Plan“, der vermutlich von Johann Paul Thomas Edel um 1720/1726 in Wien aufgenommen wurde und sich in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart befindet.
Die Ansicht von Tina Blau gibt den Zustand des Belvederegartens mit stark vereinfachten Parterres wieder, wie sie im 19.Jahrhundert bis 1938 bestanden.“

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Tina Blau, Aus dem Belvedere, 1894/95 Öl auf Holz 26 x 39.5 cm Belvedere, Wien, Legat P. Parzer, Wien

Diese Erklärung möchte ich Ihnen als „Mehrwert“ auf Ihren nächsten Spaziergang durch Garten und Ausstellung mitgeben.

Wenn Sie sich für die Gartenarchitektur des Belvederes und anderer historischer Gärten in Wien interessieren, hier ein Hinweis auf das neue Buch von Eva Berger: „Viel herrlich und schöne Gärten“. 600 Jahre Wiener Gartenkunst,  Böhlau Verlag, 2016

Ein weiterer Hinweis betrifft das Werkverzeichnis von Tina Blau im Belvedere. Es wurde komplett online gestellt. Damit lässt sich in Zukunft online „flanieren“ bzw. es wird ein barrierefreier Besuch des Werks ermöglicht. Näheres dazu demnächst hier in diesem Blog. Inzwischen schon mal die Adresse: werkverzeichnisse.belvedere.at

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